22.08. Nun stand ich da, zwischen nicht sehr vielen Menschen am Fuße des Sonnenblumenhauses.
Vor 25 Jahren hatte sich hier ein Pogrom ereignet und diesem Moment sprach Nguyen Do Thu, Überlebende. Ich blickte auf den Netto „mit dem schwarzen Hund.“ Meine Aufmerksamkeit wurde von Klimpern und einer sich damit nähernden, aufgebrachten Stimme abgelenkt.
Es dauerte einige Sekunden bis ich einen älteren Mann in einem Jogginganzug in den Farben Blau-Weiß, den Farben von Hansa Rostock, ausmachte. Das Gesicht hatte die Farbe einer Blutblase angenommen.
Mit gesenktem Kopf näherte sich der Telefonierende, bis er wohl die Füße vor sich gesehen haben muss und nach einigen weiteren Metern in „seinem“ Wohngebiet innehielt, das Telefonat abbrach und sich umsah.
Einige Zeit später bewegte ich mich durch die auf der Rückseite des Wohnungsblocks stehenden Zelte.
In einem hingen Fotos. Ich sah in Grautönen, Schwarz und Weiß eine Sonnenblume, Fratzen, Asphaltplatten, ein paar Polizisten und ausgebrannte Stellen auf Fotos, dort, wo sich Fenster befinden.
Das vorletzte Foto blickte ich eine Weile an und hörte zu.
„Das war doch alles gar nicht so schlimm – ich weiss nicht, was die alle haben.
Weißt du, was in den What’s-App-Gruppen abgeht? Das ist nochmal eine ganz andere Nummer.“
Als ich mich umdrehte, sah ich einen älteren Herrn, der während seiner Arbeitszeit einem Mann einem „in seinen besten Jahren“ zuhörte. Er trug Kleidung mit der Aufschrift „Security“.